Heizen auf La Palma

Viele Urlauber machen sich ein falsches Bild der Kanarischen Inseln: Das ganze Jahr über angenehme Temperaturen, ein ewiger Frühling und Sommer. Doch der ewige Sommer herrscht nur an den Küsten. Das Klima im Inneren der Insel, wo die meisten Menschen wohnen, ist aber anders: In den Wintermonaten von Mitte November bis Mitte Mai (ja, bis Mitte Mai!) ist die Durchschnittstemperatur in den mittleren Lagen unter 20 °C und es besteht Heizbedarf in den Häusern. Palmeros erdulden die Kälte meist mit warmer Kleidung und im Notfall mit Heizstrahlern. Zugereiste Urlauber sind aber nicht an Temperaturen unter 20 °C im Haus gewöhnt. Wie kann man sein Haus heizen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Heizen mit Strom

Auf La Palma ist der Strom sehr billig, etwa 0,15 € pro Kilowattstunde inklusive aller Steuern. Nicht etwa weil die Produktion hier so günstig wäre – das ist sie ganz und gar nicht! Die Produktion im einzigen Dieselkraftwerk der Insel ist teuer. Für eine Kostendeckung müsste die Kilowattstunde ca. 0,35 € kosten*… Es ist der spanische Staat, der die Wirtschaft stark verzerrt und durch Beihilfen den Strom so günstig macht und damit keine Anreize bietet, Energie zu sparen oder das Wirtschaftsmodell zu überdenken. So stammen 90% des elektrischen Stroms in La Palma aus Diesel bzw. der im Notfall anfahrenden ineffizienten Gasturbine, nur 10% stammen aus Photovoltaik oder Windenergie. Der jährliche Verbrauch an Diesel ist 50.737 Tonnen, zzgl. 98 Tonnen Gas für die Notfallturbine (Stand 2013). Tagtäglich wird Diesel im Wert eines Einfamilienhauses verbrannt.

Der Wirkungsgrad der Stromproduktion ist nur 39%. Das bedeutet, dass fast 2/3 der eingesetzten Verbrennungsenergie des Diesels ungenutzt die Schlote des Kraftwerkes verlassen – die Nutzung der Abwärme lohnt sich angesichts der staatlichen Subventionen nicht. Von dem produzierten Strom gehen noch etwa 7% durch den Leitungstransport und Stromdiebstahl verloren, ehe sie beim Kunden ankommen.

Um ein Haus von ca. 120 m² Grundfläche zu heizen, benötigen Sie in den mittleren Lagen La Palmas im kältesten Monat Februar etwa 5 Kilowatt Heizleistung. Die meisten Stromanschlüsse auf La Palma geben dies gar nicht her, nur stärkere Anschlüsse können dies liefern. Wenn Sie Ihre elektrischen Heizkörper den halben Tag laufen lassen, verbrauchen Sie so ca. 60 kWh am Tag, das sind ca. 270 € im Monat. Dabei ist es egal, ob Sie billige Lamellenheizkörper oder sündhaft teure elektrische Marmorplatten verwenden. Kilowattstunde bleibt Kilowattstunde, egal was der Verkäufer Ihnen sagt.

Bedenken Sie, dass mit jeder Kilowattstunde, den Ihre Heizkörper verbrauchen, in Wirklichkeit 2,5 kWh Energie aus knapp 1/4 Liter Diesel im Kraftwerk verbraten werden, so dass Sie für 3 Tage Heizen mit Strom soviel Diesel verbrauchen wie bei einmal Volltanken Ihres Autos. Bei der Verbrennung von Diesel entstehen zudem große Mengen an Feinstaub und Stickoxiden, die die Gegend um Santa Cruz de La Palma, Breña Alta und Breña Baja beeinträchtigen. Fast täglich überschreitet die Belastung mit Stickoxid den Wert von 40 µg/m³ in der Umgebung des Dieselkraftwerkes.

Heizen mit Holz

Eine andere, traditionellere Methode des Heizens ist die mit einem Kaminofen. Viele Häuser von Zugezogenen sind mit Kaminen ausgestattet. So ein Kaminofen ist einerseits romantisch, bedeutet aber auch erhebliche Arbeit, ihn fortlaufend mit Holz zu beschicken und die Asche zu entsorgen.

Immer wieder brennen Häuser auf La Palma wegen eines außer Kontrolle geratenen Kaminfeuers ab – und eine Feuerwehr, die in Minuten vor Ort sein könnte, gibt es nicht. Es ist also große Sorgfalt mit dem Feuer geboten.

Doch es muss gar nicht zum Schlimmsten kommen, um Nachteile des Heizens mit Holz zu erkennen: Wenn Holz verbrennt, bildet sich Rauch. Sobald dieser den Schornstein verlässt und in der Luft aufsteigt, trifft er bei seinem Aufstieg auf eine atmosphärische Sperrschicht. Dort wo sich die Wolken bilden, meist auf einer Höhe von ca. 600-900 m über dem Meeresspiegel, reichert sich der Rauch des Kaminbrands stark an, zumal nach Sonnenuntergang oft Windstille herrscht. Im Winter riecht es in den mittleren Lagen La Palmas abends stark nach Rauch. Einige mögen das als angenehm empfinden, andere sehen darin einfach eine Gesundheitsgefahr.

Zu den Kosten: 1 Raummeter feuchtes Kaminholz kostet ca. 60 bis 90 €, Sie müssen dies noch lagern und trocknen. Das Holz hat einen Brennwert von etwa 1500 kWh je Raummeter, davon geht aber die Hälfte ungenutzt durch den Schornstein (bei effizienten Kaminen, deren Ofenrohr auch den Raum heizen kann, ist der Verlust geringer). Wenn Sie täglich 60 kWh Wärmeenergie brauchen und der Kamin die Hälfte der Energie durch den Schornstein verliert, kämen Sie nur 12,5 Tage mit dem Raummeter Holz hin.

Die Praxis zeigt: Für einen Kamin, der einen 40 m² großen Raum wärmt benötigen Sie alle 3 Wochen etwa 1 Raummeter Holz. Wenn Sie das ganze Haus heizen wollen, brauchen Sie in der Regel zwei Kamine, das wären dann im Monat also mindestens 160 € für das Holz, oder 80 € wenn Sie nur einen Raum heizen. Heizen mit Holz ist also günstiger als mit Strom.

Eine gute Möglichkeit, Holz zu sparen, ist sich einen Ventilator an die Decke zu hängen. Dieser wälzt die Luft im Haus um und sorgt dafür, dass die warme Luft zu den Bewohnern am Boden gelangt und nicht ungenutzt durch das schlecht gedämmte Dach entweicht.

Doch wo kommt das Holz her? Auf La Palma gibt es keine nachhaltige Holzwirtschaft. Beliebt ist das ruhig brennende Holz von Brezo (Baumheide), aber auch Mandelholz. Was meinen Sie, woher Brezo und Mandelholz stammen? Doch nicht etwa aus dem geschützten Lorbeerwald? Oder aus den blühenden Mandelbaumlandschaften des Nordens?

Heizen mit Wintergärten

Eine gute, wenn auch in der Anschaffung teure Möglichkeit, sein Haus quasi gratis von der Sonne heizen zu lassen, ist der Anbau eines Wintergartens. Im Winter bietet er wohlige Wärme an Sonnentagen. Doch wehe Sie können ihn im Sommer nicht richtig verschatten! Dann wohnen Sie wie im Treibhaus, die Hitze ist kaum auszuhalten. Achten Sie bei dem Bau eines Wintergartens also immer auf eine Möglichkeit, ihn im Sommer komplett verschatten zu können. Unterschätzen Sie auch keinesfalls die Intensität der UV-Strahlung auf La Palma. Sie zerstört binnen weniger Jahre alle Plastikteile, die nicht schwarz sind, und lässt Wintergärten aus Kunststoff erblinden.

Wintergärten wärmen natürlich nicht, wenn keine Sonne scheint. Dies kommt auch an einigen Wochen im Winter vor. Wintergärten eignen sich daher nur als eine Möglichkeit, andere Heizkosten zu sparen, aber ganz auf andere Heizsysteme werden Sie nicht verzichten können.

Heizen mit einer Wärmepumpe

Wärmepumpe.jpg

Eine hocheffiziente Wärmepumpe (Effizienzklasse A+++). Drei von ihnen heizen ein ganzes Haus. Der Stromverbrauch im kältesten Monat kostet etwa 70 € für alle Geräte zusammen. (Bild: Stefan Scheller)

Die physikalisch effizienteste Methode der Heizung ist eine Wärmepumpe. Wärmepumpen nutzen die Wärmeenergie kalter Außenluft oder kalten Wassers, konzentrieren sie und geben sie dann im Innenraum des Hauses ab. Im Grunde funktionieren Sie wie ein Kühlschrank, nur dass die warme Rückseite des Kühlschranks Richtung Wohnraum zeigt und die Kaltluft nach Außen abgeführt wird. Da in La Palma kein bodennahes Grundwasser existiert, ziehen Wärmepumpen ihre Energie immer mit einem Ventilator aus der Außenluft.

Die Wärmeabgabe erfolgt entweder über eine Fußbodenheizung oder über das Gebläse einer Klimaanlage direkt in die Luft des Wohnraumes. Dabei gilt: Je größer das Gebläse ist, desto weniger muss der Ventilator in ihm laufen und die gleiche Luftmenge zu erwärmen. Große Gebläse sind also viel leiser als kleine.

Wärmepumpen sind hocheffizient und arbeiten mit Strom als Antrieb. Mit nur einer Kilowattstunde Strom können sie das Haus mit 3 bis 5 kWh Wärme versorgen (5 kWh bei den effizientesten Geräten mit Klasse A+++). Man sagt auch, die Arbeitszahl der Wärmepumpe sei 3 bis 5, erkundigen Sie sich beim Kauf danach!

Zu den Kosten: Da eine kWh Strom 0,15 € kostet und eine Wärmepumpe daraus das 3 bis 5-fache an Wärmeenergie erzeugen kann, kostet die Wärme nur 0,03 bis 0,05 € je kWh. Bei einem Heizbedarf von 60 kWh am Tag sind dies 1,80 € bis 3,00 € im kältesten Monat für ein ganzes Haus, also ca. 54 bis 90 € im Monat. Dem gegenüber steht ein Anschaffungspreis von 2000 bis 4000 € für ein ganzes Haus. Wärmepumpen mit Fußbodenheizung sind noch teurer, dafür aber vollkommen leise. Bei einer hocheffizienten Wärmepumpe für 4000 € zahlen Sie nach 50 Heizmonaten (ca. 10 Jahre) etwa 4000 € + 50 x 54 € = 6700 € an Strom- und Anschaffungkosten, das sind 134 € im Monat. Bei einer weniger effizienten rechnen Sie in diesem Zeitraum mit etwa demselben Betrag, da die Anschaffung günstiger ist, aber mehr Stromkosten anfallen.

Heizen mit der Wärmepumpe ist also etwas günstiger als das Heizen mit Holz, und dazu wesentlich komfortabler.

Wichtig ist, dass die Wärmepumpe mindestens eine Arbeitszahl von 3 aufweist, also aus 1 kWh Strom 3 kWh Wärme erzeugen kann. Denn denken Sie daran, der Strom in La Palma wird äußerst schmutzig aus Diesel gewonnen. Ab einer Arbeitszahl von 3 erhalten Sie aber von der Wärmepumpe mehr Energie, als durch die Verbrennung des Diesels im Kraftwerk entsteht.

* Anmerkung zu den Zahlen bezüglich der Stromproduktion auf La Palma: Alle Werte sind dem statistischem Jahrbuch der Kanarischen Inseln, 2013 und 2015, entnommen. Der Preis für die Stromerzeugung auf La Palma war im Jahr 2015 250 €/MWh, also 0,25 €/kWh. Dies ist der reine Produktionspreis bestehend aus fixen und variablen Kosten. Zum Vergleich: Im Bereich der Regelzone Europas ist der Preis 50 €/MWh, entsprechend 0,05 €/kWh. Für eine Kostendeckung kommt der Preis für das Netz, Zähler, Verwaltung, Marge und Steuern hinzu. Der Endpreis für eine Kostendeckung ist auf dem spanischen Festland etwa 0,10 €/kWh höher als der Erzeugerpreis. Der Mindestpreis für eine kostendeckende Stromproduktion auf La Palma ist also 0,25 €/kWh + 0,10 €/kWh = 0,35 €/kWh. Das Dieselkraftwerk bei Santa Cruz de la Palma wird dabei mit “Fuel Oil” (Schiffsdiesel, Schweröl) betrieben, das ist ein schwereres Erdöldestillat als Heiz- oder Dieselöl. Der Hauptschadstoff bei der Verbrennung ist das dieseltypische Stickstoffdioxid.

Anuncios

Responder

Introduce tus datos o haz clic en un icono para iniciar sesión:

Logo de WordPress.com

Estás comentando usando tu cuenta de WordPress.com. Cerrar sesión /  Cambiar )

Google+ photo

Estás comentando usando tu cuenta de Google+. Cerrar sesión /  Cambiar )

Imagen de Twitter

Estás comentando usando tu cuenta de Twitter. Cerrar sesión /  Cambiar )

Foto de Facebook

Estás comentando usando tu cuenta de Facebook. Cerrar sesión /  Cambiar )

w

Conectando a %s