Elektroautos auf den Kanarischen Inseln

In meinen bisherigen Artikeln zum Thema Energie habe ich beschrieben, dass nahezu der gesamte Energiebedarf auf den Kanarischen Inseln aus Erdöl gedeckt wird. Auch wenn man nur die Stromerzeugung betrachtet, wird der Löwenanteil der Elektrizität aus Erdölprodukten gewonnen: Kanarenweit etwa 92%, auf La Palma etwa 90%. Ist es dann überhaupt sinnvoll, ein Elektroauto zu fahren, das man ja mit dem schmutzigen Strom “betanken” muss?

Ja. Es ist sinnvoll. Sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Elektroautos sind so extrem sparsam, dass sie trotz schmutziger Stromproduktion weniger Schadstoffe auf den Inseln hinterlassen als konventionelle Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren.

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Elektroauto mit über 200 km tatsächlicher Reichweite. Es verbraucht ca. 40% weniger Erdöl in den kanarischen Kraftwerken und spart etwa 10.000 € an Energie- und Wartungskosten auf 200.000 km verglichen mit ähnlichen Benzinautos. Bild: Wikipedia

Ich vergleiche einmal beispielhaft den VW Golf mit Benzin-, Diesel- und mit Elektromotor. Es ist das einzige Auto, das mit diesen drei Antrieben angeboten wird und zu dem es bei spritmonitor.de Verbrauchszahlen gibt (die Herstellerangaben sind bekanntlich unglaubwürdig).

Wieviel Energie braucht ein VW Golf je 100 km in der Praxis?

  • VW Golf Benzin: 7,80 Liter / 100 km = 68 kWh / 100 km
  • VW Golf Diesel: 5,72 Liter / 100 km = 56 kWh / 100 km
  • VW Golf Elektro: 16 kWh / 100 km

Elektrofahrzeuge sind sensationell effizient, weil sie keine Wärmeenergie durch den Auspuff verlieren und beim Bergabfahren und Verlangsamen nahezu die gesamte Bewegungsenergie zum Laden der Batterie verwenden statt sie in den Bremsen in Wärme zu verwandeln.

Andererseits wird die Elektrizität auf den Kanarischen Inseln zu über 90% aus Schweröl, Diesel oder Gas erzeugt. Dabei geht auch viel Abwärme im Kraftwerk durch die Schlote verloren: Im Schnitt verbraucht ein Einwohner der kanarischen Inseln 10,5 kWh Strom am Tag. Dabei entstehen Produktionsverluste von 16,9 kWh, die als Abwärme verloren gehen. Für 10,5 kWh Strom müssen 10,5 + 16,9 = 27,4 kWh Erdölprodukte verbrannt werden.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Strommixes auf den Kanarischen Inseln ist der Verbrauch der Autos also, berechnet auf Grundlage der tatsächlich eingesetzten Energie

  • VW Golf Benzin: 68 kWh / 100 km
  • VW Golf Diesel: 56 kWh / 100 km
  • VW Golf Elektro: 42 kWh / 100 km

Fazit: Ein Elektroauto verbraucht mehr als ein Drittel weniger Energie im Kraftwerk gegenüber dem Energieverbrauch eines Benzin-Verbrennungsmotors.

Das Beispiel VW Golf ist dabei sogar ein eher ungünstiger Fall, da das Auto nicht als Elektrofahrzeug entwickelt wurde und es daher gegenüber anderen E-Autos deutlich weniger effizient ist.

Die aktuell erhältlichen Elektroautos ab Modelljahr 2017/2018 haben eine echte Reichweite von über 200 km (beworbene Reichweite ca. 280 km). Das ist mehr als genug für die komplette Umrundung jeder Kanarischen Insel plus einer Reserve, um nicht auf den letzten Drücker wieder nach Hause gelangen zu müssen. Die Autos können über Nacht an einer Haushaltssteckdose wieder aufgeladen werden (etwa 15 km echter Reichweitengewinn je Ladestunde an einer normalen Schuko-Steckdose mit der üblichen 10 Ampere-Sicherung). Da es noch keine Schnell-Ladesäulen auf den Kanarischen Inseln gibt, müssen die Autos immer zu Hause über Nacht geladen werden, notfalls unterwegs an den bereits vorhandenen mittelschnellen Ladesäulen mit Wechselstrom.

Kosten

Was kostet das? Die aktuellen Benzinpreise auf Tenerife sind ca. 0,90 €/Liter Benzin, 0,84 €/Liter Diesel, 0,15 €/kWh Strom im Standardtarif (0,09 €/kWh im Nachttarif). Somit ergeben sich diese Ausgaben je 100 km Fahrleistung:

  • VW Golf Benzin: 7,00 € / 100 km
  • VW Golf Diesel: 4,80 € / 100 km
  • VW Golf Elektro: 2,40 € / 100 km

Wer einen elektronischen Stromzähler hat, kann auch einen Nachttarif beim Stromversorger buchen und den Preis auf 1,60 € / 100 km drücken, wenn nur nach Mitternacht geladen wird. Das sind gegenüber einem Benzinauto auf 200.000 km etwa 9.200 € Einsparung für den Treibstoff (10.800 € mit Nachttarif-Strom). Der Unterschied ist auf den kleineren Inseln (La Palma) noch größer, da dort der Sprit ca. 10% teurer, aber der Strompreis gleich ist.

Da Elektroautos fast keinen Verschleiß an Bremsen oder im Antriebsbereich haben und nur Reifenwechsel nötig sind, entfallen laut ADAC beim E-Golf etwa 120 €/Jahr Werkstattkosten gegenüber dem Benzin-Golf. Bei einer Lebensdauer von 10 Jahren und 200.000 km summiert sich das zu 10.400 € – 12.000 € Gesamtersparnis. Dem gegenüber steht der höhere Anschaffungspreis des Elektroautos*.

Könnte der ganze Landtransport in den Kanarischen Inseln auf E-Fahrzeuge umgestellt werden?

Wenn nun jeder in den Kanarischen Inseln auf die Idee käme, das nächste Auto mit Elektromotor statt Benzinmotor zu kaufen – gäbe es überhaupt genug Kapazitäten? Zur Zeit verbraucht rein rechnerisch jeder Einwohner täglich für den Transport zu Land (Autos, Busse, Lieferwagen, etc.) 16 kWh.

Wenn alle Transportmittel elektrifiziert würden und die Einsparungen ähnlich wie beim Wechsel von Benzin-Golf zu Elektro-Golf wären, dann müssten anstelle von täglich je Einwohner 16 kWh Kraftstoffe in den Automotoren eben 9,9 kWh Öl in den Kraftwerken verfeuert werden. Das ist eine Einsparung von 6,1 kWh pro Einwohner und Tag – ein enormes Potenzial. Die Kanarischen Inseln müssten also weniger Erdölprodukte importieren. Umgerechnet auf Diesel sind das 0,63 Liter eingesparter Dieselkraftstoff pro Einwohner und Tag. Die Einsparung für alle 7 Inseln insgesamt wäre über 480 Millionen Liter Diesel pro Jahr – der Inhalt des größten Öl-Supertankers der Welt.

Und wenn eines Tages einmal der politische Wille da wäre, etwas mehr als die erbärmlichen 7,6% Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren (40% sind ohne Speicher in Inselnetzen machbar), dann wäre die Einsparung noch viel größer. Denn jede durch erneuerbare Energie eingesparte Diesel-Kilowattstunde spart sofort etwa 1/4 Liter Brennstoff in den Kraftwerken.


* Ersparnis Benzin 200.000 km in La Palma (7,70 € / 100 km), mit Nachttarif (1,60 € / 100 km): 6,10 € / 100 km = 12.200 € / 200.000 km, Ersparnis Werkstattkosten 12 Jahre x 120 € / Jahr = 1.440 €, staatliche Förderung “plan movea” 5.500 €, Summe: 19.140 € . Preisunterschied für einen neuen Golf (Benzin / Elektro, Basismodell ohne Extras, mit IGIC): 15.800 €. Die Haltbarkeit eines Elektroautos ist wahrscheinlich länger als die eines Benzinautos. Es ist bereits jetzt klar, dass ab 2018 unter den Bedingungen des kanarischen Marktes der Kauf eines Benzinautos wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Das Modell VW Golf wurde nur zum Zwecke eines einfachen Vergleichs ausgewählt und soll nicht bedeuteten, dass der Autor des Blogs es für ein empfehlenswertes Auto hält.

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