Warum sind die Wettervorhersagen für die Kanaren so ungenau?

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Regenvorhersage in mm zwischen heute und Sonntag Mitternacht, gerechnet durch 3 verschiedene Computermodelle. Quelle: kachelmannwetter.de

Es ist immer wieder das gleiche Muster: in Garafía regnet es Rekordmengen, aber keiner hatte es vorhergesehen. Oder wie heute: Warnstufe gelb vor Regen, aber es regnet keinen Tropfen. Die Wettervorhersagen auf den Kanarischen Inseln sind viel ungenauer als auf dem Festland, und liegen bei Extremereignissen fast immer daneben. Woran liegt das?

Der Wetterdienst ist unterfinanziert

Der staatliche Wetterdienst AEMET erhält pro Jahr nur 2,70 € je Einwohner. Zum Vergleich: Der deutsche Wetterdienst DWD erhält 4,23 € je Einwohner und Jahr. In beiden Fällen sind es 0,01% des Bruttoinlandsproduktes, da Spanien aber eine geringere Wirtschaftsleistung hat, erhält die AEMET entsprechend weniger. Dazu kommt, dass wissenschaftliche Ausbildung und Forschung in Spanien einen geringeren Stellenwert haben.

Kein Regenradar, das den Atlantik erfasst

Alle Wettermodelle brauchen Startwerte um Prognosen anfertigen zu können. Je genauer das Ist-Wetter bekannt ist, desto besser sind auch die Prognosen. Zur Zeit gibt es nur ein Regenradar auf Gran Canaria, dessen Radarstrahl aber bereits durch die Berge Gran Canarias teilweise verschattet ist und erst recht durch den Teide auf Teneriffa. Niederschläge, die sich von Westen nähern, werden daher erst im letzten Moment oder gar nicht erkannt. Nötig wäre ein Radar auf der Cumbre Vieja auf La Palma oder in El Hierro mit freiem Blick auf den offenen Atlantik.

Auf dem Atlantik gibt es kaum Wetterstationen

Wettermodelle brauchen genaue Messwerte (Temperatur, Luftfeuchte usw.) um die Zukunft berechnen zu können. In Europa gibt es ein dichtes Netz an Wetterstationen, die die Wettermodelle verwenden können. Nicht so auf den Kanarischen Inseln, die mitten im Atlantik liegen. Es gibt nur ein paar verstreute automatische Messbojen, die Wetterdaten sammeln – aber das reicht bei weitem nicht.

Flugzeuge fliegen hauptsächlich nordöstlich der Kanaren nach Europa

Flugzeuge übermitteln Messwerte wie Temperatur während ihres Fluges an die Wetterdienste, die damit ihre Wettermodelle füttern. Die meisten Flugzeuge fliegen aber zwischen den Kanarischen Inseln nach Nordosten Richtung Europa. Daher liegen fast nur Wetterdaten aus diesem Bereich vor. Richtung Westen fliegen nur wenige Flugzeuge, entsprechend dünn ist die Datenlage für Wetter, das aus Richtung Westen kommt.

Die Wettermodelle nutzen nicht den Datenreichtum privater Messnetze

Während HDmeteo die Wetterdaten von 40 Wetterstationen auf La Palma verwendet, fließen in die Wettermodelle der Wetterdienste nur die Daten von 6 Stationen der AEMET ein, und dies bei 4 der 6 Stationen auch noch mit starker Verzögerung (maximal 1 Stunde verzögert: Flughafen, Tazacorte/La Bombilla; bis zu 5 Stunden verzögert: El Time, Centro de Visitantes El Paso, Adeyaham-Stausee in Los Sauces, Leuchtturm Fuencaliente)

Die Wettermodelle können die Inseln nicht auflösen

Die Kanarischen Inseln sind sehr steil, so dass sich das Wetter innerhalb eines Kilometers drastisch ändert. Die Wettermodelle teilen den Globus in einzelne Pixel auf (genauer: Voxel = Volumen-Pixel). Diese Maschenweite der Modelle reicht bei weitem nicht aus, um die Inseln simulieren zu können:

So ist die Maschenweite des US-Modells GFS nur 28 km. Die des europäischen Hochleistungs-Modells ECMWF ist 9 km. Zum Vergleich: die breiteste Stelle La Palmas ist 22 km. Das sind im Europäischen Modell also 2,5 Maschen, im US-Modell weniger als ein Pixel. Es gibt zwar auch höher aufgelöste Regionalmodelle (Spanien: HARMONIE-AROME: 2,5 km) – im Prinzip wäre aber eine Maschenweite von 0,5 km oder weniger nötig, um das Wettergeschehen simulieren zu können.

Zum Vergleich: HDmeteo hat eine Maschenweite von 0,1 km. Aber HDmeteo ist keine Vorhersage, sondern beschreibt den aktuellen Zustand.

 

 

 

 

 

 

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