Lohnt sich Solarenergie auf den Kanaren?

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Potenzial der Photovoltaik auf der Welt. Die Kanarischen Inseln sind Europas sonnenreichster Punkt. Bild: Mlino76, CC BY 2.5, Wikipedia

Es ist paradox: Da leben wir im sonnigsten Punkt Europas, und doch hat fast niemand Solarzellen auf dem Dach. Lohnt sich Photovoltaik für einen Privathaushalt auf den Kanarischen Inseln etwa nicht?

Zunächst muss man wissen, dass auf den Kanarischen Inseln der Strom künstlich billig gehalten wird. Auch wenn die Gesamtkosten für die Stromerzeugung in den Schwerölkraftwerken gut und gerne 0,35 €/kWh betragen, wird der Strom zu nur 0,15 €/kWh verkauft. Duch den sehr billigen Strom ist der Anreiz gering, Photovoltaik zu installieren.

Ferner muss man beachten, dass es in Spanien keine Einspeisevergütung gibt. Zu viel produzierter Solarstrom kann nicht an den Netzbetreiber verkauft werden. Immerhin muss man auf den Kanarischen Inseln keine Strafgebühr für die Einspeisung zahlen – offziell nur vorübergehend, und im Gegensatz zum Festland.

Der Spanische Staat macht es also besonders schwer, dass private Photovoltaik lohnt:

  • keine Einspeisevergütung
  • Strom aus dem Netz ist künstlich billig

Durch den Fall der Preise für Photovoltaik und Batteriespeicher ist es aber vielleicht dennoch lohnend, Photovoltaik auf dem Hausdach und eine Pufferbatterie im Haus zu installieren?

Ein Beispielhaus

Betrachten wir einmal ein typisches Beispiel: Ein Haus mit zwei Personen, Heizen mit Wärmepumpe, Gartenbewässerung mit Pumpen, mit einem Strombedarf von 16 kWh pro Tag, 5840 kWh pro Jahr. Der aktuelle Bruttopreis für einen 5,5 kW-Hausanschluss inkl. aller Abgaben beträgt hierfür etwa 0,163 €/kWh, 954 € pro Jahr. In 10 Jahren zahlt dieser Haushalt an den Stromversorger etwa 9.540 €. Mit Preissteigerung von 3% pro Jahr eingerechnet sind es ca. 10.900 €.

Diese 10.900 € setzen sich zu ca. 70% aus dem verbrauchten Strom (ca. 7.750 €) und den restlichen 30%, also 3.150 € für die Grundgebühr (Leistungspreis) zusammen.

Soll sich also eine Photovoltatik-Anlage binnen 10 Jahren lohnen, muss diese auf jeden Fall billiger als 10.900 € sein – wenn sie einem gänzlich den Kauf von Strom vom Stromversorger ersparen würde. Das ist aber unrealistisch. Es gibt immer wolkenreiche Tage, und es wird immer wieder vorkommen, dass man Strom benötigt, wenn die Sonne nicht scheint und wenn die Batterie der Anlage leer ist.

Gehen wir einmal davon aus, dass realistischerweise 1/3 des Stroms nicht selbst produziert werden kann, sondern dazugekauft werden muss. Da der Stromversorger aber einen Tag/Nacht-Tarif anbietet, kann man den Stromzukauf auf die billigen Nachtstunden verschieben, wenn der Strom nur 0,07 €/kWh – weniger als die Hälfte des Tagtarifs – kostet. Voraussetzung dafür wäre, dass die Speicherbatterie genügend groß ist, damit man sie notfalls nachts laden kann und dann den restlichen Tag nutzen kann.

Wenn wir es also schaffen, 2/3 unseres Stromes selber zu produzieren, und 1/3 im Nachttarif zukaufen müssten, würden wir am Ende nur noch 1/6 der bisherigen Stromrechnung zahlen müssen, denn der Nachtarif kostet nur etwa die Hälfte des Tagtarifs.

Statt der 7.750 € für den verbrauchten Strom in 10 Jahren würden wir also nur 1/6 davon, also ca. 1.290 €, in 10 Jahren für den Nachtstom zahlen müssen, zuzüglich den Grundgebühren. Die Ersparnis wäre also nicht 10.900 € wie bei vollständiger Autarkie sondern nur noch 7.750 € – 1.290 € = 6.460 €.

Ferner könnten wir die maximale Leistung, die der Stromversorger uns zur Verfügung stellt, halbieren und so 1/2 der Grundgebühr sparen, das ergibt in 10 Jahren eine Gesamtersparnis von 6.460 € für den Strom und 1.570 € für die Grundgebühr, zusammen ca. 8.030 €

Eine Photovoltaikanlage mit Batterie darf also höchstens kosten, wenn sie sich nach 10 Jahren rentieren soll:

  • bei vollständiger Autarkie ohne Stromzukauf: ca. 11.000 €
  • bei Zukauf von 1/3 des Stroms zum Nachttarif: ca. 8.000 €

Wenn man noch bedenkt, dass ein Batteriespeicher auch ein Komfortgewinn ist, weil er die auf den Kanarischen Inseln häufigen Stromausfälle überbrücken kann, und dieser Komfort uns vielleicht 2000 € in 10 Jahren wert ist, darf eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher höchstens kosten:

  • bei vollständiger Autarkie ohne Stromzukauf: ca. 13.000 €
  • bei Zukauf von 1/3 des Stroms zum Nachttarif: ca. 10.000 €

Es ist ziemlich klar, dass vollständige Autarkie extrem teuer wäre, da mehr teure Batterien und auch eine Überproduktion von Solarstrom nötig wäre damit wir nicht nach einigen wolkenreichen Tagen im Dunkeln dastehen. Dem gegebüber steht nur eine zusätzliche Ersparnis von 3.000 €.

Ich verfolge daher im folgenden nur noch den Ansatz, ob eine Photovoltaik-Anlage mit Batterie und 1/3 Zukauf vom Stromnetz wirtschaftlich Sinn macht.

Die Strategie

Zunächst schauen wir uns einmal an, wie genau der Strompreis im Tag/Nachttarif variiert. Auf den Kanarischen Inseln ist der Tarif 2.0 DHA erhältlich. Dieser ist zwischen 22:00 Uhr abends und 12:00 Uhr mittags günstig (gerechnet in Winterzeit).

Strompreis
Blau: Tag/Nacht–Tarif 2.0 DHA (Zeiten in Sommerzeit). Quelle: REE

Ein Teil des Strompreises ist der Grundpreis, der umso günstiger ist, je weniger Spitzenleistung wir benötigen. Wir reduzieren also unseren Stromvertrag zusätzlich auf nur 2,3 kW Spitzenleistung, um die Hälfte der Grundgebühr zu sparen.

Wenn wir Photovoltaik installieren wollen, dann richtet sich die Leistung der Solarzellen nach dem Sonnenstand. Zwischen 9:00 Uhr morgens und 17:00 Uhr Nachmittags können wir also unseren selbst erzeugten Sonnenstrom nutzen. In dieser Zeit laden wir auch unsere Batterien auf. Wenn es sich um 9:00 Uhr morgens herausstellt, dass der Tag bewölkt ist und nicht genügend Solarstrom zum Laden der Batterien verfügbar sein wird, können wir die Zeit bis 12:00 Uhr nutzen, den noch billigen Nachtstrom zum Nachladen der Batterien zu nutzen.

Nach 17:00 Uhr steht die Sonne bereits so tief, dass die Stromerzeugung der Solarzellen nicht mehr ausreicht.  Aber der billige Nachttarif beginnt erst in 5 Stunden. Wir müssen also diese 5 Stunden mit der Batterie überbrücken. Wieviel kWh werden wir dafür benötigen? In 24 Stunden brauchen wir ja 16 kWh, also pro Stunde 0,66 kWh, in 5 Stunden also knapp 3,5 kWh. Aber abends benötigen wir mehr Strom als zu anderen Tageszeiten, denn dann nutzen wir insbesondere die Beleuchtung oder den Fernseher. Gehen wir also auf Nummer sicher und rechnen wir mit 5 kWh, die wir zwischen tiefstehender Sonne und dem Beginn des Nachttarifs mit einer Batterie überbrücken müssen.

Und so würde dann ein typischer Tag, beginnend um 7:00 Uhr aussehen:

  • 07:00 Uhr: Der Tag beginnt.
  • 09:00 Uhr: Die Sonne steht genügend hoch am Himmel, damit unsere Solarzellen Strom liefern. Wir entscheiden, ob der Tag bewölkt ist oder nicht. Bei Bewölkung  laden wir nun die Batterie im noch aktiven Nachttarif bis auf 100% auf. Bei Sonnenschein verzichten wir darauf und laden die Batterie mit dem überschüssigen Sonnenstrom auf 100%. Dazu haben wir bis ca. 17:00 Uhr Zeit.
  • 12:00 Uhr: Der Nachttarif endet.
  • 17:00 Uhr: Die Sonne steht so tief am Himmel, dass ab jetzt eine Stromentnahme aus der Batterie nötig wird. Die Batterie ist zu 100% geladen.
  • 22:00 Uhr: Der Nachttarif beginnt. Wenn die Batterie leer ist, nutzen wir nun den billigen Nachtstrom

Für diese Strategie benötigen wir:

  • Eine Batterie mit mindestens 5 kWh effektiv nutzbarer Energiemenge
  • Solarzellen mit einer Kapazität von 4 kWp theoretischer Spitzenleistung (liefern ca. 16 kWh Ertrag am Tag)

Lohnt es sich?

Das hängt nun von den Kosten von Batterie und Solarzellen ab. Wie gesagt, in der Summe haben wir ein Budget von 10.000 €, das wir nicht überschreiten dürfen – sonst würde es keinen wirtschaftlichen Sinn machen.

  • Eine Batterie auf Lithium-Ionen-Basis von LG Chem mit 5,9 kWh nutzbarer Kapazität und 4,2 kW Spitzenleistung kostet auf den Kanarischen Inseln ca. 3.500 €, inkl. 10 Jahren Garantie
  • Ein Wechselrichter zur Konvertierung von Gleich- in Wechselstrom von SMA mit Batterie- und Solaranbindung mit 5 kW Spitzenlast, 3 kW Dauerlast kostet ca. 2.000 €
  • 14 Solarmodule von REC mit einer Spitzenleistung von ca. 4 kWp kosten ca. 2.700 €

Insgesamt kostet die Hardware also ca. 8.200 €. Wenn wir noch einen Installateur finden, der das ganze für unter 1.800 € installiert, bleiben wir im Budget von 10.000 €.

Zusammenfassung

Ab sofort lohnt die Anschaffung einer Solaranlage mit Batteriespeicher. Die Amortisationszeit beträgt 10 Jahre. Nach 10 Jahren ist die Investition abgeschrieben und wir zahlen nur noch etwa 1/6 der Stromkosten wie bisher. Außerdem sind wir gegen Stromausfälle gewappnet.

Wichtig zu wissen: Es lohnt sich aus wirtschaftlichen Gründen. Man muss also kein Anhänger irgendeiner grünen Ideologie sein, um sich jetzt Solarzellen aufs Dach und einen Batteriespeicher ins Haus zu holen. Und der wunderbare Nebeneffekt ist dennoch: Jede aus dem Stromnetz gesparte kWh spart 1/4 Liter Schweröl, das weniger in den schmutzigen kanarischen Kraftwerken verbrannt werden muss.

 

 

 

 

 

 

 

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