Passatwinde hinterlassen Regen

Das erste Mal seit dem Sommer regnet es auf über 2000 m in La Palma. Der Pico de la Cruz hat seine erste Dusche abbekommen, bis zum Roque de los Muchachos sind die Wolken aber nicht vorgedrungen. Die leichten Niederschläge stammen von den feuchten Passatwinden. Typischerweise regnen die Passatwolken im Nordosten der Kanarischen Inseln ab. Bei La Palma ist dies der Bereich zwischen dem Osten Garafías, Barlovento, San Andrés y Sauces bis nach Puntallana, gelegentlich auch bis Mazo. Santa Cruz ist meist durch den Montaña Samagallo (oder Zamagallo) vor Passatregen geschützt. Die Niederschläge reichen aber noch nicht aus, um die Verdunstung (Evapotranspiration) zu kompensieren. Die Bananenplantagen um San Andrés müssen also weiter das knappe Gießwasser einsetzen.

2017-10-21 Rain3d
Niederschläge der letzten 72 Stunden. Am meisten hat es in San Antonio del Monte (Garafía) geregnet. Erstmalig auch auf über 2000 m Höhe auf dem Pico de la Cruz. Die Gegend um Santa Cruz ist weitgehend trocken geblieben (der Regensensor in Santa Cruz ist z.Z. ausgefallen)
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Gezeitenwinde auf La Palma

Haben Sie zu Hause einen Luftdruckmesser, ein Barometer? Dann wissen Sie: Wenn der Luftdruck steigt, dann wird das Wetter schön, wenn er fällt, dann kommt Regen. Und Sie wissen auch, dass der durchschnittliche Luftdruck 1013 Hektopascal (hPa) beträgt.

Aber nicht auf La Palma!

La Palma liegt in einer Zone mit einem im Jahresmittel höheren Luftdruck als er in Kontinentaleuropa gemessen wird. Auf Meereshöhe wird hier ein mittlerer Luftdruck von ca. 1018,75 hPa gemessen – der mittlere Luftdruck auf Meereshöhe, gemittelt über die ganze Erdoberfläche, ist nur 1013,25 hPa. Auf La Palma sind wir also im Schnitt in einer Hochdruckzone – das ist auch ein Grund für das gute Wetter hier. Der Unterschied zwischen Europa und La Palma ist ca. 5,5 hPa.

Aber auch der Verlauf des Luftdrucks ist auf La Palma ganz anders als in Europa, sehen Sie sich das folgende Bild an. Es ist der mittlere Verlauf des Luftdrucks, abhängig von der Uhrzeit (Weltzeit UTC, ohne Berücksichtigung der Sommerzeit):

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Durchschnittlicher Tagesgang des Luftdrucks in La Palma, korrigiert auf Meereshöhe (Kalibration ± 0,5 hPa). Die Zeiten sind UTC. Abhängig wieviele Tiefdruckgebiete in einem Jahr durchziehen, ist der Mittelwert mal höher, mal niedriger (Jahre 2012, 2013). Deutlich zu sehen ist die 12-stündige Oszillation des Luftdrucks um 1,8 hPa. Da das zweite Tagesmaximum niedriger ist als das erste, ist zusätzlich eine 24-stündige Periode vorhanden. Bild: Stefan Scheller

Der Luftdruck oszilliert stark während des Tages, mit Maxima um ca. 11 Uhr tags und nachts und zwei Minima um ca. 5 Uhr morgens bzw. Abends.

Diese Oszillation ist in Mitteleuropa unbekannt und ein typisches Phänomen der äquatornahen Gebiete. Die Oszillation ist sehr ausgeprägt und hat eine enorme Amplitude von 1,8 hPa. Steigender Luftdruck nach Sonnenauf- und Untergang ist also kein Hinweis auf Wetterbesserung, fallender Luftdruck am Nachmittag oder nach Mitternacht kein Grund das Nahen einer Schlechtwetterfront zu fürchten.

Zweimal täglich strömen 18 kg Luft pro Quadratmeter an der Grenze zum Weltraum hin und wieder weg

Die Oszillation hat eine Periode von exakt 12 Stunden, überlagert ist noch eine schwache Komponente mit einer Periode von exakt 24 Stunden, die die Höhe des zweiten Maximums am Tag abmildert. Ein höherer Luftdruck bedeutet, dass mehr Luft auf dem Barometer lastet – es muss also zweimal täglich Luft mit einem Gewicht von 1,8 hPa über La Palma hin- und wieder wegströmen. Das sind pro m² etwa 18 kg Luft, die mal mehr und mal weniger auf der Erde lasten. Das erinnert an die Meeresgezeiten.

Aufgrund der exakt sonnensynchronen Periode ist jedoch klar, dass die Sonne für den Effekt verantwortlich sein muss. Wäre der Mond dafür verantwortlich, müsste die Oszillation synchron mit den Meeresgezeiten und der scheinbaren Bewegung des Mondes stattfinden. Mondgezeiten haben aber eine Periode von 12 Stunden und 26,5 Minuten.

Das Faszinierende ist nun: Diese zweimal täglichen Luftbewegungen (“semidiurn”) finden nicht in den unteren Schichten der Atmosphähre statt, sondern in bis zu 100 km Höhe und werden durch Erwärmung und Abkühlung der Ozonschicht verursacht. Hier ist eine Animation der Luftströmungen in 100 km Höhe (dort wo der Weltraum beginnt):

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Luftströmungen in 100 km Höhe (Pfeile) sowie die Temperaturanomalie dort. Diese Luftströmungen führen in Äquatornähe zu einem Schwanken des Luftdrucks alle 12 Stunden. Wesentlich verantwortlich ist die Absorption des Sonnenlichts z.B. durch Ozon in großen Höhen. In Mitteleuropa ist dieser Effekt nur schwach ausgeprägt. Es gibt dort kaum semidiurne Luftdruckoszillationen. Bild: Jensob, CC BY-SA 3.0

Vulkanologe: Geländedeformation der Cumbre Vieja ist signifikant

Der Erdbebenschwarm, der seit dem 7.10.2017 im Untergrund der Insel registriert wird, hält auf La Palma die Bevölkerung in Atem. Auch wenn seit gestern keine weiteren Mikrobeben mehr nachweisbar waren, deutet nun alles darauf hin, dass sich das Gelände im Bereich des Hotelkomplexes Teneguia Princess im Laufe des letzten Jahres um etwa 3,5 cm gehoben hat.

Lokale Medien haben sich beeilt, diese Hebung als “Spekulation” oder deren Interpretation als “unwissenschaftlich” abzutun. Da die Messdaten aber so deutlich sind, hat HDmeteo einen der weltweit führenden Experten in Vulkanologie um seine Einschätzung gebeten.

HOTE
Messdaten des GPS-Sensors “HOTE” beim Teneguia Princess Hotel in Las Indias. Deutlich zu sehen ist die Bewegung um 1 cm nach Süd und um 3,5 cm nach oben. (Bild: Prof. Sagiya, Universität Nagoya, Japan. Rote Trendlinien und Anmerkungen: Stefan Scheller)

Nach seiner Einschätzung sei die Geländehebung “signifikant“, besonders weil neben der Hebung auch eine Bewegung um 1 cm nach Süden, vom Bebenschwarm weg, aufgetreten ist. Die Bewegung sei wahrscheinlich nicht durch Messfehler oder Fehlfunktion des GPS-Sensors vorgetäuscht – es sei denn, es habe in seiner direkten Umgebung Bauarbeiten oder Baumfällungen gegeben, die die Satellitensignale reflektiert und damit die Signallaufzeit verändert hätten. Die Lücken im Messprotokoll seien wohl aufgrund einer zeitweilig unterbrochenen Stromzufuhr verursacht.

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Der GPS-Sensor (blau) befindet sich etwa 6-7 km südlich des Zentrums des jüngsten Bebenschwarms (roter Kreis). Eine Hebung im roten Bereich würde das Gelände am Sensor nach Süden verschieben, wie es auch beobachtet wird (Bewegungsrichtung: schwarzer Pfeil). (Bild: Stefan Scheller, Grafcan)

Gehen wir einmal davon aus, dass es nicht zu Baumfällungen oder Baumaßnahmen in der unmittelbaren Umgebung des GPS-Empfängers gekommen ist. Welche Schlüsse können wir daraus ziehen? Wieviel Magma ist in den Untergrund eingeströmt, und wieviel Magma könnte ausgestoßen werden, sollte sich der vulkanologische Prozess fortsetzen und sich in einer Eruption entladen?

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Die Bewegung des GPS-Sensors passt gut zu der beobachteten Geometrie der Beben im Untergrund in 23 km Tiefe und 6-7 km Abstand vom Sensor: Das Verhältnis zwischen der Tiefe der Beben und dem Abstand zwischen Sensor und dem oberflächlichem Zentrum der Beben ist 3,5 : 1, genauso wie die beobachtete Verschiebung des Sensors. Dies unterstreicht die Glaubwürdigkeit der gemessenen Daten (Bild: Stefan Scheller) 

Wenn wir annehmen, dass sich der Magmaeinfluss unter dem Bebenzentrum ereignet und dabei das darüber liegende Gelände anhebt: Bei einer kreisförmigen Anhebung des Geländes um mindestens 7 km um das Zentrum herum ist das angehobene Gesteinsvolumen ca. 5 Millionen m³, entsprechend etwa 12,5 Millionen Tonnen Gestein.

Dies entspricht in etwa dem Volumen des Vulkankegels Montaña de la Laguna im Aridanetal.

Es wird sich nun zeigen, ob das Gestein oberhalb des Magmaeinflusses stabil genug ist, um die Bewegung zu stoppen oder ob es weiter bricht, was sich in zukünftigen Mikrobeben äußern würde und es schließlich zu einer Eruption käme. Es bleibt spannend auf La Palma.

Update 18.10.2017

Inzwischen sind die Rohdaten der GPS-Stationen HOTE und MAZO verfügbar, so dass ich eine lineare Regression durchführen konnte, um die Bodenbewegung der letzten 365 Tage aus den Daten zu berechnen (eine lineare Regression unterschätzt die Bewegung, wenn sie beschleunigt stattfindet). Hier sind die Ergebnisse:

HOTE: Hebung +26 mm ± 3 mm; horizontale Verschiebung: 7,4 mm ± 0,7 mm Süd; 1,3 mm ± 0,8 mm West. Der Bewegungsvektor ist exakt dem Bebenzentrum entgegensetzt. Der Sensor HOTE hat seit dem 14.10. keine Daten mehr übermittelt. Die letzte gemessene Auslenkung nach oben war 36,5 mm gegenüber dem 2-jährigen Mittelwert.

MAZO (Stadtzentrum von Mazo, etwa doppelte Entfernung nördlich vom Bebenzentrum): keine Hebung nachweisbar, horizontale Verschiebung: 1,4 mm ± 0,3 mm nach Norden. Der statistisch nicht besonders signifikante Bewegungsvektor ist ebenfalls dem Bebenzentrum entgegengesetzt.

UPDATE 22.10.2017:

Ich bin nach Fuencaliente gereist um den GPS-Sensor HOTE zu suchen. Er befindet sich in einem schlechten Zustand und ist völlig von Palmen zugewachsen. Ich bezweifle dass man irgendeinen Nutzen aus seinen Messwerten ziehen kann. Thema abgehakt.

So sieht der arme HOTE aus. Von Palmen bedrängt. So behandelt man doch keinen GPS-Empfänger:

HOTE

 

Sparen mit Strom auf La Palma

Im letzten Blogeintrag habe ich den verzerrten Strommarkt auf den Kanarischen Inseln angesprochen. Der Durchschnittspreis ist nur ca. 0,15 € je Kilowattstunde, weniger als die Herstellungskosten. Ich erkläre nun, wie Sie diesen Preis noch weiter reduzieren können. Es geht dabei weniger ums Stromsparen, sondern um das Sparen mit Strom.

Elektronische Stromzähler: Die Nachteile

Der örtliche Stromversorger Endesa wechselt nach und nach alle Stromzähler gegen elektronische Zähler aus. Selbstverständlich wird dies als großer Vorteil für den Kunden verkauft, tatsächlich geht es wohl eher darum, säumigen Stromkunden mit einem Mausklick den Strom sperren zu können. Bisher war dazu immer ein teurer Technikereinsatz nötig.

Neben den säumigen Stromkunden verfolgt Endesa mit den elektronischen Zählern auch das Ziel, die Spitzenleistung besser kontrollieren zu können: In Spanien zahlt man nämlich nicht nur für den Verbrauch (die “Arbeit”, gemessen in kWh), sondern vor allem auch für die Spitzenleistung (die “Leistung”, gemessen in kW).

Die Stromanschlüsse auf La Palma haben im Vergleich zu Kontinentaleuropa nur eine sehr geringe Spitzenleistung. Die meisten Haushalte haben nur 2,3 kW auf nur einer Stromphase. Das reicht gerade für einen Wasserkocher. Wenn dann noch ein weiterer Verbraucher eingeschaltet wird, fliegt gleich die Hauptsicherung heraus. Typisch für Deutschland sind dreiphasige Anschlüsse mit 30 kW, also mehr als das zehnfache, so dass niemals die Hauptsicherung auslöst.

Um nun zu verhindern, dass der Kunde einfach seine Hauptsicherung gegen eine stärkere austauscht, besitzen die neuen intelligenten Stromzähler eine Überwachungseinrichtung. Bei einer Überschreitung der vereinbarten Leistung schaltet der Zähler einfach den Strom komplett ab. Im Display des Zählers steht dann ICP 00 PULSE. Dann müssen alle Stromverbraucher und Sicherungen im Haus ausgeschaltet werden, um die Stromzufuhr wieder zu ermöglichen.

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Neben der Kontrolle über den Endkunden spart sich Endesa zudem das Gehalt des Mitarbeiters, der bisher den konventionellen Zähler alle 2 Monate ablesen kam. Dieser ist nun arbeitslos. Die Kosten für die Anschaffung der Zähler trägt der Kunde mit einer höheren Zählermiete. Miete für Technik verdrängt also Lohn für Arbeit, soweit, so gut – technischer Fortschrift schafft dafür qualifiziertere Arbeit, aber eben beim Hersteller der Zähler: in Italien, nicht auf La Palma. Und: der Ableselohn war bisher im Grundpreis der Stromrechnung enthalten, aber die Zählermiete wird nun aufgeschlagen…

Elektronische Stromzähler: Die Vorteile

Doch die neuen Zähler haben auch einen Vorteil: Sie ermöglichen die stundengenaue Erfassung des Verbrauchs. Der Strompreis in Spanien variiert nämlich stundenweise je nach Auslastung des europäischen Strom-Verbundnetzes. Auch wenn La Palma natürlich nicht an das Verbundnetz angeschlossen ist, sondern ein Inselnetz ist, in dem der Preis gar nicht schwanken kann: Wir zahlen auf La Palma den schwankenden Strompreis des Kontinents. Verrückte Welt!

Sie können den schwankenden Strompreis jederzeit verfolgen:

Link: Red Electrica de España: PVPC

Strompreis
Entwicklung des Strompreises (Arbeitspreis) heute. Der Preis ist sogar bis zum Tagesende im Voraus erkennbar. Die rote Kurve ist der Einheitstarif, die blaue Kurve der Nacht/Tag-Tarif mit billigem Nachtstrom und teurem Tagstrom. Auch wenn Sie den roten Einheitstarif haben, schwankt der Strompreis von Stunde zu Stunde. Es macht daher Sinn, morgens um 4 Verbraucher wie Geschirrspüler, Waschmaschine, Wärmepumpe oder Gartenbewässerung laufen zu lassen (Bild: REE)

Wenn Sie nun Ihre Bewässerungspumpe oder Wärmepumpe so programmieren, dass sie in den billigen Stunden Ihren Garten bewässert oder Ihr Haus oder Pool heizt, dann sparen Sie sofort bares Geld (meist gegen 4 Uhr nachts und 16 Uhr tagsüber). Eventuell ist auch ein Tarifwechsel zu einem Tag/Nacht-Tarif zu überlegen, wenn Sie tagsüber und abends kaum Strom benötigen, sondern eher zwischen Mitternacht und Mittag. Besonders wenn Sie ein Elektroauto nachts laden wollen.

Ökologisch und volkswirtschaftlich macht das natürlich keinen Sinn, denn auf La Palma stammt 90% des Stroms aus Dieselgeneratoren – deren Betrieb kostet je kWh unter nächtlicher Teillast sogar mehr als unter Volllast am Tage. Aber wegen der staatlich gewollten Marktverzerrung können Sie es für sich ökonomisch vorteilhaft nutzen.

Heizen auf La Palma

Viele Urlauber machen sich ein falsches Bild der Kanarischen Inseln: Das ganze Jahr über angenehme Temperaturen, ein ewiger Frühling und Sommer. Doch der ewige Sommer herrscht nur an den Küsten. Das Klima im Inneren der Insel, wo die meisten Menschen wohnen, ist aber anders: In den Wintermonaten von Mitte November bis Mitte Mai (ja, bis Mitte Mai!) ist die Durchschnittstemperatur in den mittleren Lagen unter 20 °C und es besteht Heizbedarf in den Häusern. Palmeros erdulden die Kälte meist mit warmer Kleidung und im Notfall mit Heizstrahlern. Zugereiste Urlauber sind aber nicht an Temperaturen unter 20 °C im Haus gewöhnt. Wie kann man sein Haus heizen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Heizen mit Strom

Auf La Palma ist der Strom sehr billig, etwa 0,15 € pro Kilowattstunde inklusive aller Steuern. Nicht etwa weil die Produktion hier so günstig wäre – das ist sie ganz und gar nicht! Die Produktion im einzigen Dieselkraftwerk der Insel ist teuer. Für eine Kostendeckung müsste die Kilowattstunde ca. 0,35 € kosten*… Es ist der spanische Staat, der die Wirtschaft stark verzerrt und durch Beihilfen den Strom so günstig macht und damit keine Anreize bietet, Energie zu sparen oder das Wirtschaftsmodell zu überdenken. So stammen 90% des elektrischen Stroms in La Palma aus Diesel bzw. der im Notfall anfahrenden ineffizienten Gasturbine, nur 10% stammen aus Photovoltaik oder Windenergie. Der jährliche Verbrauch an Diesel ist 50.737 Tonnen, zzgl. 98 Tonnen Gas für die Notfallturbine (Stand 2013). Tagtäglich wird Diesel im Wert eines Einfamilienhauses verbrannt.

Der Wirkungsgrad der Stromproduktion ist nur 39%. Das bedeutet, dass fast 2/3 der eingesetzten Verbrennungsenergie des Diesels ungenutzt die Schlote des Kraftwerkes verlassen – die Nutzung der Abwärme lohnt sich angesichts der staatlichen Subventionen nicht. Von dem produzierten Strom gehen noch etwa 7% durch den Leitungstransport und Stromdiebstahl verloren, ehe sie beim Kunden ankommen.

Um ein Haus von ca. 120 m² Grundfläche zu heizen, benötigen Sie in den mittleren Lagen La Palmas im kältesten Monat Februar etwa 5 Kilowatt Heizleistung. Die meisten Stromanschlüsse auf La Palma geben dies gar nicht her, nur stärkere Anschlüsse können dies liefern. Wenn Sie Ihre elektrischen Heizkörper den halben Tag laufen lassen, verbrauchen Sie so ca. 60 kWh am Tag, das sind ca. 270 € im Monat. Dabei ist es egal, ob Sie billige Lamellenheizkörper oder sündhaft teure elektrische Marmorplatten verwenden. Kilowattstunde bleibt Kilowattstunde, egal was der Verkäufer Ihnen sagt.

Bedenken Sie, dass mit jeder Kilowattstunde, den Ihre Heizkörper verbrauchen, in Wirklichkeit 2,5 kWh Energie aus knapp 1/4 Liter Diesel im Kraftwerk verbraten werden, so dass Sie für 3 Tage Heizen mit Strom soviel Diesel verbrauchen wie bei einmal Volltanken Ihres Autos. Bei der Verbrennung von Diesel entstehen zudem große Mengen an Feinstaub und Stickoxiden, die die Gegend um Santa Cruz de La Palma, Breña Alta und Breña Baja beeinträchtigen. Fast täglich überschreitet die Belastung mit Stickoxid den Wert von 40 µg/m³ in der Umgebung des Dieselkraftwerkes.

Heizen mit Holz

Eine andere, traditionellere Methode des Heizens ist die mit einem Kaminofen. Viele Häuser von Zugezogenen sind mit Kaminen ausgestattet. So ein Kaminofen ist einerseits romantisch, bedeutet aber auch erhebliche Arbeit, ihn fortlaufend mit Holz zu beschicken und die Asche zu entsorgen.

Immer wieder brennen Häuser auf La Palma wegen eines außer Kontrolle geratenen Kaminfeuers ab – und eine Feuerwehr, die in Minuten vor Ort sein könnte, gibt es nicht. Es ist also große Sorgfalt mit dem Feuer geboten.

Doch es muss gar nicht zum Schlimmsten kommen, um Nachteile des Heizens mit Holz zu erkennen: Wenn Holz verbrennt, bildet sich Rauch. Sobald dieser den Schornstein verlässt und in der Luft aufsteigt, trifft er bei seinem Aufstieg auf eine atmosphärische Sperrschicht. Dort wo sich die Wolken bilden, meist auf einer Höhe von ca. 600-900 m über dem Meeresspiegel, reichert sich der Rauch des Kaminbrands stark an, zumal nach Sonnenuntergang oft Windstille herrscht. Im Winter riecht es in den mittleren Lagen La Palmas abends stark nach Rauch. Einige mögen das als angenehm empfinden, andere sehen darin einfach eine Gesundheitsgefahr.

Zu den Kosten: 1 Raummeter feuchtes Kaminholz kostet ca. 60 bis 90 €, Sie müssen dies noch lagern und trocknen. Das Holz hat einen Brennwert von etwa 1500 kWh je Raummeter, davon geht aber die Hälfte ungenutzt durch den Schornstein (bei effizienten Kaminen, deren Ofenrohr auch den Raum heizen kann, ist der Verlust geringer). Wenn Sie täglich 60 kWh Wärmeenergie brauchen und der Kamin die Hälfte der Energie durch den Schornstein verliert, kämen Sie nur 12,5 Tage mit dem Raummeter Holz hin.

Die Praxis zeigt: Für einen Kamin, der einen 40 m² großen Raum wärmt benötigen Sie alle 3 Wochen etwa 1 Raummeter Holz. Wenn Sie das ganze Haus heizen wollen, brauchen Sie in der Regel zwei Kamine, das wären dann im Monat also mindestens 160 € für das Holz, oder 80 € wenn Sie nur einen Raum heizen. Heizen mit Holz ist also günstiger als mit Strom.

Eine gute Möglichkeit, Holz zu sparen, ist sich einen Ventilator an die Decke zu hängen. Dieser wälzt die Luft im Haus um und sorgt dafür, dass die warme Luft zu den Bewohnern am Boden gelangt und nicht ungenutzt durch das schlecht gedämmte Dach entweicht.

Doch wo kommt das Holz her? Auf La Palma gibt es keine nachhaltige Holzwirtschaft. Beliebt ist das ruhig brennende Holz von Brezo (Baumheide), aber auch Mandelholz. Was meinen Sie, woher Brezo und Mandelholz stammen? Doch nicht etwa aus dem geschützten Lorbeerwald? Oder aus den blühenden Mandelbaumlandschaften des Nordens?

Heizen mit Wintergärten

Eine gute, wenn auch in der Anschaffung teure Möglichkeit, sein Haus quasi gratis von der Sonne heizen zu lassen, ist der Anbau eines Wintergartens. Im Winter bietet er wohlige Wärme an Sonnentagen. Doch wehe Sie können ihn im Sommer nicht richtig verschatten! Dann wohnen Sie wie im Treibhaus, die Hitze ist kaum auszuhalten. Achten Sie bei dem Bau eines Wintergartens also immer auf eine Möglichkeit, ihn im Sommer komplett verschatten zu können. Unterschätzen Sie auch keinesfalls die Intensität der UV-Strahlung auf La Palma. Sie zerstört binnen weniger Jahre alle Plastikteile, die nicht schwarz sind, und lässt Wintergärten aus Kunststoff erblinden.

Wintergärten wärmen natürlich nicht, wenn keine Sonne scheint. Dies kommt auch an einigen Wochen im Winter vor. Wintergärten eignen sich daher nur als eine Möglichkeit, andere Heizkosten zu sparen, aber ganz auf andere Heizsysteme werden Sie nicht verzichten können.

Heizen mit einer Wärmepumpe

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Eine hocheffiziente Wärmepumpe (Effizienzklasse A+++). Drei von ihnen heizen ein ganzes Haus. Der Stromverbrauch im kältesten Monat kostet etwa 70 € für alle Geräte zusammen. (Bild: Stefan Scheller)

Die physikalisch effizienteste Methode der Heizung ist eine Wärmepumpe. Wärmepumpen nutzen die Wärmeenergie kalter Außenluft oder kalten Wassers, konzentrieren sie und geben sie dann im Innenraum des Hauses ab. Im Grunde funktionieren Sie wie ein Kühlschrank, nur dass die warme Rückseite des Kühlschranks Richtung Wohnraum zeigt und die Kaltluft nach Außen abgeführt wird. Da in La Palma kein bodennahes Grundwasser existiert, ziehen Wärmepumpen ihre Energie immer mit einem Ventilator aus der Außenluft.

Die Wärmeabgabe erfolgt entweder über eine Fußbodenheizung oder über das Gebläse einer Klimaanlage direkt in die Luft des Wohnraumes. Dabei gilt: Je größer das Gebläse ist, desto weniger muss der Ventilator in ihm laufen und die gleiche Luftmenge zu erwärmen. Große Gebläse sind also viel leiser als kleine.

Wärmepumpen sind hocheffizient und arbeiten mit Strom als Antrieb. Mit nur einer Kilowattstunde Strom können sie das Haus mit 3 bis 5 kWh Wärme versorgen (5 kWh bei den effizientesten Geräten mit Klasse A+++). Man sagt auch, die Arbeitszahl der Wärmepumpe sei 3 bis 5, erkundigen Sie sich beim Kauf danach!

Zu den Kosten: Da eine kWh Strom 0,15 € kostet und eine Wärmepumpe daraus das 3 bis 5-fache an Wärmeenergie erzeugen kann, kostet die Wärme nur 0,03 bis 0,05 € je kWh. Bei einem Heizbedarf von 60 kWh am Tag sind dies 1,80 € bis 3,00 € im kältesten Monat für ein ganzes Haus, also ca. 54 bis 90 € im Monat. Dem gegenüber steht ein Anschaffungspreis von 2000 bis 4000 € für ein ganzes Haus. Wärmepumpen mit Fußbodenheizung sind noch teurer, dafür aber vollkommen leise. Bei einer hocheffizienten Wärmepumpe für 4000 € zahlen Sie nach 50 Heizmonaten (ca. 10 Jahre) etwa 4000 € + 50 x 54 € = 6700 € an Strom- und Anschaffungkosten, das sind 134 € im Monat. Bei einer weniger effizienten rechnen Sie in diesem Zeitraum mit etwa demselben Betrag, da die Anschaffung günstiger ist, aber mehr Stromkosten anfallen.

Heizen mit der Wärmepumpe ist also etwas günstiger als das Heizen mit Holz, und dazu wesentlich komfortabler.

Wichtig ist, dass die Wärmepumpe mindestens eine Arbeitszahl von 3 aufweist, also aus 1 kWh Strom 3 kWh Wärme erzeugen kann. Denn denken Sie daran, der Strom in La Palma wird äußerst schmutzig aus Diesel gewonnen. Ab einer Arbeitszahl von 3 erhalten Sie aber von der Wärmepumpe mehr Energie, als durch die Verbrennung des Diesels im Kraftwerk entsteht.

* Anmerkung zu den Zahlen bezüglich der Stromproduktion auf La Palma: Alle Werte sind dem statistischem Jahrbuch der Kanarischen Inseln, 2013 und 2015, entnommen. Der Preis für die Stromerzeugung auf La Palma war im Jahr 2015 250 €/MWh, also 0,25 €/kWh. Dies ist der reine Produktionspreis bestehend aus fixen und variablen Kosten. Zum Vergleich: Im Bereich der Regelzone Europas ist der Preis 50 €/MWh, entsprechend 0,05 €/kWh. Für eine Kostendeckung kommt der Preis für das Netz, Zähler, Verwaltung, Marge und Steuern hinzu. Der Endpreis für eine Kostendeckung ist auf dem spanischen Festland etwa 0,10 €/kWh höher als der Erzeugerpreis. Der Mindestpreis für eine kostendeckende Stromproduktion auf La Palma ist also 0,25 €/kWh + 0,10 €/kWh = 0,35 €/kWh. Das Dieselkraftwerk bei Santa Cruz de la Palma wird dabei mit “Fuel Oil” (Schiffsdiesel, Schweröl) betrieben, das ist ein schwereres Erdöldestillat als Heiz- oder Dieselöl. Der Hauptschadstoff bei der Verbrennung ist das dieseltypische Stickstoffdioxid.

Tagesgang der Luftfeuchte

Warum sollten Sie Ihre Wäsche unbedingt vor dem Sonnenuntergang von der Leine nehmen? Schauen Sie auf diese Kurve:

Humidity

Verlauf der relativen Luftfeuchtigkeit (%) in Puntagorda, abhängig von der Uhrzeit (UTC), gemittelt über ein ganzes Jahr (2012 bzw. 2013). Je nach dem, wie häufig dem betreffenden Jahr Perioden mit Calima (trockene Sahara-Luft) auftraten, liegt die Kurve höher oder tiefer. Tagsüber sinkt die relative Luftfeuchte ab, und kurz vor Sonnenuntergang schießt sie auf Maximalwerte. Die Kurve ist repräsentativ für mittlere Höhenlagen. (Bild: Stefan Scheller)

Sie zeigt den mittleren täglichen Verlauf der relativen Luftfeuchtigkeit in Puntagorda, La Palma für zwei verschiedene Jahre: 2012 gab es häufiger Calima, 2013 seltener. Dies hat einen Einfluss auf den Mittelwert.

Abends wird es sehr feucht – inklusive der Wäsche, die Sie auf der Leine vergessen haben! Im Jahresschnitt ist die maximale relative Luftfeuchte um 20.30 Uhr UTC (Sommerzeit 21.30 Uhr) und die minimale Feuchte zwischen 14 und 16 Uhr UTC (Sommerzeit 15 und 17 Uhr). Also: Wäsche von der Leine und Polstermöbel ins Haus, spätestens eine Stunde vor Sonnenuntergang!

 

Tagesgang des Windes

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es tagsüber etwas windiger ist als nachts? Und dass bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang meist Windstille herrscht? Die Sonne heizt tagsüber das Land auf, was die Luft an den Hängen der Insel aufsteigen lässt, dadurch ist es im Schnitt tagsüber windiger als nachts.

Ich habe einmal die Winddaten der Station in Puntagorda für 2 Jahre gemittelt, und zwar getrennt für Wintermonate (blaue Farben) und die Sommermonate (rote Farben). Die Zeit ist in UTC (Weltzeit) angegeben, die Windstärke in Meter pro Sekunde (m/s). 1 m/s = 3,6 km/h.

Sie können schön sehen, dass es gegen 15 Uhr UTC (Winterzeit: 15 Uhr, Sommerzeit: 16 Uhr) am windigsten ist, und das es nach Sonnenaufgang am ruhigsten ist (im Winter ist der Sonnenaufgang später als im Sommer).

Wie erwartet sind die Sommermonate windärmer als die Wintermonate.

Wind

Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in m/s in Abhängigkeit von der Uhrzeit in Puntagorda, 2012-2014. Bild: Stefan Scheller